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Paydriver - notwendiges Übel oder Hybris?


Die Überschrift lässt es vermuten: Der Verfasser ist diesen Menschen nicht unbedingt zugetan, die nur mit massiver finanzieller Unterstützung in den Motorsport kommen. Das beste aktuelle Beispiel: Lance Stroll. Fern jedes Talents, doch hat sein Vater so viel Geld, dass er damit wohl den Begriff "Reich" sprengt.

Erst brachte er seinen Filius mit mehreren Millionen beim Rennstall von Williams unter. Da dieser sportlich im Moment auch nichts vorzuweisen hat, kauft er mal eben den insolventen Rennstall Force India, um seinem Sohn den Platz in der Formel 1 zu erhalten.

 

Aber ob man sie mag oder nicht - Motorsport kostet Geld. Richtig viel Geld. Und Paydriver sind keine Erscheinung der jüngeren Geschichte. Auch viele ehemalige Weltmeister sind nur auf diesem Weg in den Motorsport gekommen.

 

Wenden wir uns den Kosten zu, die eine Saison Motorsport mit sich bringt. Natürlich kommt es stark darauf an, in welcher Klasse man unterwegs sein möchte.

Für die ganz kleinen, nationalen Kartserien fallen, wenn es gut läuft, so um die 10.000 € pro Saison an. Das kann man sich unter Umständen noch zusammensparen. Geht es jedoch in die internationalen Serien, erreichen wir locker schon den 10- bis 20fachen Betrag. Ein Normalverdiener kann das seinen Nachkommen kaum mehr ermöglichen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt braucht es Sponsoren. Von Vorteil sind solche, die auch später in die höheren Klassen mitgehen, sofern das Talent des Fahrers vorhanden ist. Denn dann reicht alleine das Geld nicht mehr aus.
In einem Interview äußerte sich Dr. Helmut Marko, der Verantwortliche für das Red Bull-Nachwuchsprogramm, über einen Fahrer, der drei Saisons brauchte um in die Top 3 vorzustoßen. Diesem hat er das Talent aberkannt und aus dem Red Bull-Programm entfernt. Ja, die Welt des Motorsports ist eine harte.

 

Der wer galt als erster Bezahlfahrer überhaupt? Kein Geringerer als der dreifache Formel 1-Weltmeister Niki Lauda. Er wuchs zwar in wohlhabenden Verhältnissen auf, seine Familie unterstütze aber seine Ambitionen im Motorsport nicht.

Daher nahm er sich einen Kredit bei der Raiffeisenbank über 2 Millionen Schilling auf und kaufte sich einen Sitz bei March-Ford. In einem Interview darauf angesprochen erklärte er, damals alles auf eine Karte gesetzt zu haben. Nun, wir wissen alle: Es ging mehr als gut.

 

Selbst Rekordweltmeister Michael Schumacher oder auch Fernando Alonso mussten sich anfangs in die Formel 1 einkaufen. Schumacher mit einer Mitgift von Mercedes, Alonso hatte die Banco de Santander im Rücken.

Pastor Maldonado hatte ebenfalls das Glück, mit Petróleos de Venezuela einen potenten Geldgeber im Rücken zu haben. Mit einigen Millionen Dollar kaufte er sich bei Williams ein. Nicht völlig talentfrei, und auch der Speed stimmte, so war er doch völlig übermotiviert im Cockpit. Er überfuhr das Auto dauernd und das endete überdurchschnittlich oft in einem Crash. Ein Funfact: Es gab zu seiner Zeit einen Twitter-Account mit dem Namen @didpastorcrash. Dort wurde immer getwittert, ob Pastor mal wieder Material kaltverformt hatte.

 

Die großen Teams wie Ferrari, Mercedes oder Red Bull können es sich leisten, ohne Bezahlfahrer zu existieren. Natürlich haben sie als große Teams einen entsprechenden finanziellen Background und sind als Top-Teams stärker an den Einnahmetöpfen der Formel 1 beteiligt als die Hinterbänkler.

 

Absolutes Negativbeispiel ist momentan Williams F1. Das ehemalige Top-Team mit 9 WM-Titeln liegt derzeit mit nur 4 Punkten nach 12 Rennen abgeschlagen auf dem letzten Platz. Das kann man wohl nicht nur auf die beiden Paydriver zurückführen. Der Wagen ist anscheinend heuer ein Desaster. Andererseits sieht man bei McLaren, was ein Alonso immer wieder aus dem Wagen kitzelt.

 

Es gab sie schon fast immer diese Paydriver. Manchmal entstanden große Fahrer, oft verschwanden sie so schnell wie sie gekommen sind. Sie sind wohl ein notwendiges Übel. So wird den finanzschwächeren Teams geholfen. Es wird aber auch weiterhin die großen Superstars geben, deren Talent von klein auf entdeckt und gefördert wird.

 

- th -

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