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Setup-Guide #4


Kommen wir zu den großen Mysterien des Setups: den Dämpfern.

Kaum jemand kann mit den Unmengen an Zahlen und Bezeichnungen im Setup-Menü etwas anfangen.

Was ist schnelle Zugstufe? Langsame Druckstufe? Nie gehört.

Federwegbegrenzer? Was kommt da noch?

Ich werde mich bemühen, euch die Begriffe etwas näher zu bringen und zu erläutern, was sich hinter ihnen verbirgt.

 

#9 Federwegbegrenzer

Wie der Name schon vermuten lässt, sollen die Begrenzer den Federweg begrenzen. Sie werden verwendet, um bei sehr tief gelegten Fahrzeugen das Aufsetzen auf den Boden zu verhindern.

Wie wir im letzten Teil des Setup-Guides gehört haben, tauchen weichere Federn tiefer ein, als härtere.

Falls man jetzt aus irgendwelchen Gründen keine harten Federn fahren will, bieten sich die Federwegbegrenzer nun als Hilfe an. Die Höhe der Begrenzer wird in mm angegeben und variiert von Fahrzeug zu Fahrzeug. Je höher die Begrenzer eingestellt sind, desto weniger taucht der Wagen ein. Doch wie findet man die richtige Höhe?

In Project Cars 2 finden wir einen Telemetrie-HUD. Dort werden u.a. auch die Live-Daten der Aufhängung gezeigt.

3 Werte werden angezeigt: Die Höhe des Begrenzers, den Federweg und die Fahrzeughöhe. Wenn man nun z.B. die Fahrzeughöhe auf 5 cm einstellt bei einem Federweg von 6 cm kann jeder nachvollziehen, dass der Wagen bei Bodenwellen aufsetzen würde, sofern wir keine Begrenzer verwenden würden. In diesem Fall kann man eine Begrenzerhöhe von 15-20 mm einstellen und hätte noch eine kleine Reserve.

Generell sollte der Federwegbegrenzer so klein wie möglich eingestellt werden. Also ist auch hier wieder das Austesten angesagt. Fahrt ein paar Runden und achtet darauf ob der Wagen an kritischen Stellen aufsetzt.

Die Frage sei nun erlaubt, warum man nicht einfach dauernd mit maximalen Begrenzern fährt. Sie geben dem Fahrer keine Rückmeldung sobald man weit genug einsinkt, sondern stoppen einfach die weitere Arbeit der Dämpfer ab einem definierten Punkt. Begrenzer können also auch negativ auf das Fahrverhalten einwirken. Es ist zwar besser, den Begrenzer zu treffen als aufzusetzen, doch sollten die Dämpfer genug Arbeitsraum haben, um effektiv arbeiten zu können.

Ihr fandet den Part mit den Federwegbegrenzern hart?

Ok, holt euch erstmal einen Kaffee für das was jetzt kommt. Diese Kapitel ist so komplex, dass ich es noch einmal unterteilt habe.

 

#10.1 Die Basics

Zuerst müssen wir den Unterschied zwischen Federn und Dämpfern klären.

Die Federn absorbieren Unebenheiten im Fahrbahnbelag, wie Bodenwellen etc. Sie versteifen und entspannen sich unentwegt um unser Auto zu stabilisieren. Jetzt kommen die Dämpfer ins Spiel. Ohne sie würden Federn unkontrolliert weiterschwingen, nachdem man eine Bodenwelle überfahren hat. Wie bei einem Wackeldackel würde der Wagen ewig nicht aufhören zu schwingen.

Die Federrate gibt vor, wie weit das Fahrzeug eintaucht. Das haben wir bereits gehört. Der Stoßdämpfer gibt mit seinen eingestellten Werten vor, wie schnell die Schwingung abklingt.

So, dass wäre, hoffe ich, nun allgemein geklärt. Dann gehen wir einen Schritt weiter.

 

#10.2 Die Bezeichnungen

Jeder der sich schon einmal im Setup-Menü umgesehen hat, kennt die Bezeichnungen langsame/schnelle Druckstufe und die vielen verwirrenden Zahlen daneben. Es ist für jeden schwer, mich eingeschlossen, da von Anfang an den Durchblick zu haben.

 

#10.3 Die Anwendung

Wieder einmal eine goldene Regel: Die Zugstufe muss immer höher sein, als die Druckstufe. Dabei ist es egal, ob wir gerade von der langsamen oder schnellen Druckstufe reden.

Doch schauen wir erst einmal, wo welche Zug/Druckstufe auf der Strecke überhaupt wichtig ist.

Die langsame Zug/Druckstufe ist im Einsatz, wenn sich die Federn in eher langsamen Tempo bewegen. Also wenn wir in normalem Renntempo über die Strecke fahren, eine Kurve nehmen, Bremsen und Beschleunigen und das Gewicht sich auf natürliche Weise im Fahrzeug verlagert.

Die schnelle Zug/Druckstufe kommt ins Spiel, wenn die Federn schnell ein- bzw. ausfedern. Wie es beim Überfahren von Bodenwellen oder Kerbs ist.

Doch was genau macht jetzt die Druck- oder Zugstufe?

Das ist recht simpel. Die Druckstufe regelt durch ihre Einstellung, wie schnell sich die Federn zusammendrücken lassen. Je höher der eingestellte Wert der Druckstufe, desto langsamer findet die Kompression statt.

Die Zugstufe hingegen regelt, wie schnell sich die Federn wieder in ihren Ausgangspunkt zurück bewegen dürfen.

Mit diesem Wissen machen wir uns an ein paar Praxisbeispiele:

  • Generelle Regeln: Halte die Druckstufe höher als die Druckstufe und bleibe symmetrisch. Asymmetrische Setups sollten eher vermieden werden.
  • Wann ändere ich was an den Werten?
    • Der Wagen fährt sich wie ein Boot und reagiert nicht oder zu langsam auf meine Lenkbewegungen.
      Erhöht gleichmäßig und langsam alle Werte. Das Auto reagiert besser.
    • Der Wagen fährt sich unberechenbar, bricht plötzlich aus, ist sehr hektisch.
      Macht das Gegenteil. Gleichmäßig alle Werte schrittweise verringern und nach jeder neuen Einstellung auf der Strecke testen.
    • Das Auto untersteuert, wenn ich die Bremse betätige und in die Kurve einlenke.
      Vorne etwas weniger Druckstufe, oder alternativ hinten etwas mehr Druckstufe geben.
    • Das Auto übersteuert auf der Bremse und beim Einlenken in die Kurve.
      Hier hilft das Gegenteil: also vorne etwas mehr Druckstufe oder hinten etwas weniger.
    • Das Auto untersteuert beim Rausbeschleunigen.
      Hinten mehr Druckstufe, oder vorne weniger.
    • Der Wagen übersteuert beim Rausbeschleunigen.
      Wieder das Gegenteil: Hinten weniger Druckstufe, oder vorne mehr.

Generell sei an dieser Stelle noch einmal darauf hingewiesen, das ein gut eingestelltes Fahrwerk die Arbeit an allen Komponenten erfordert. Deshalb ist es immer sehr schwer, einen genauen Punkt herauszugreifen um zu erklären, warum der Wagen gerade das macht was er macht. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten. Wir können hier nur Näherungstipps angeben, um das Problem zu lösen.

 

- th -

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