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Cars & Nations: Amerika


Die neue Ausgabe Cars & Nations führt uns über den großen Teich nach Amerika, genauer in die Vereinigten Staaten von Amerika. Dazu möchte ich in der nächsten Ausgabe einen Ausflug nach Kuba und danach weiter nach Brasilien machen. Der wichtigste Markt aber ist im Norden, und da möchte ich anfangen.

Bigger is better oder Think big. Das sind so Sprüche, auf die man in den USA immer wieder stößt. Das trifft auch auf die Autos zu. Riesen-Kisten mit noch größeren V8-Motoren, auf die die Amerikaner so stolz sind, treffen auf unendlich lange Highways mit auf 70 Meilen beschränkter Geschwindigkeit. Als ob das noch nicht reichen würde, gibt es in den USA immens strenge Abgasvorschriften. Fragt mal bei VW danach ... kleiner Scherz.

Im großen und ganzen gibt es auch in den USA die "Big Three". General Motors, Ford und (inzwischen) Fiat-Chrysler.

Jeder Hersteller für sich hat eine unzählige Menge Submarken, wobei ich heute auf die Bekanntesten und Größten schauen möchte.

Die Geschichte des Automobils beginnt bei Oldsmobile. In Lansing, Michigan, wird die Marke 1897 gegründet und bringt 1901 mit dem Modell R das erste Auto der USA auf den Markt. Dicht auf den Fersen aber ist Cadillac und einer der herausragendsten Erfinder aller Zeiten: Henry Ford. Ein Zitat, dass wohl jeder kennt:

"Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde."

Der brachte 1903 mit dem Modell A das erste Auto. Richtig erfolgreich wurde Henry Ford aber mit dem Modell T. Das erste Auto das am Fließband montiert wurde. Zwischen 1908 und 1927 wurden ganze 15 Millionen davon gebaut.

Buick, Chevrolet und Dodge kamen nach und nach als Hersteller dazu. General Motors verleibte sich einen Hersteller nach dem anderen ein und brachte sie irgendwie im Konzern unter.

Bis zum zweiten Weltkrieg sahen die Fahrzeuge den europäischen Modellen recht ähnlich. Erst danach entwickelte sich das Design in einen komplett neue Richtung.

Fortan gab es drei Konzepte: Die Limousinen, die für Amerika klassisch lange Überhänge vorne und hinten hatten, mit der charakteristisch weichen, fast schon schiffsschaukelähnlichen Federung, die Pick-Ups, die vor allem im ländlichen Bereich und bei Handwerkern beliebt sind und eine neue Gattung Fahrzeug: Die Muscle-Cars.

Und jeder sprang auf den Zug auf: Ford hatte den Mustang, Chevrolet den Camaro, Dodge mit dem Charger und dem Challenger gleich zwei und Plymouth den Cuda. Und ich würde jeden nehmen. Ich liebe den Sound der aus bis zu über 7 Litern Hubraum verteilt auf 8 Brennkammern kommt und den Flair den sie verbreiten.

Diese Autos waren auch maßgeblich für die europäischen Sportcoupes wie Ford Capri oder Opel Manta mit verantwortlich.

Ein neue Stern am Markenhimmel brannte immer heller.

Das Synonym für Geländewagen : Jeep. In meiner Kindheit war jeder Geländewagen noch ein Jeep. Das hat sich bis heute kaum geändert, da die meisten SUV´s schon auf nassem Gras hängen bleiben. Für mich an Peinlichkeit kaum zu übertreffen, aber der Markt will es so.

Zurück zum Thema: Wo Jeep drauf steht, da ist Gelände im Programm. Erst wurden die Willys Jeeps für die Amerikanische Armee hergestellt, aber die Marke wuchs nach dem Krieg schnell und wurde auch bei der Zivilbevölkerung immer beliebter.

Ford probierte in der Zwischenzeit etwas anderes. Während immer mehr Leute noch größere Autos kauften, und der Mitbewerb gut an dieser Zielgruppe verdiente, hatte Ford dem wenig entgegen zu setzen. Ford stand für robuste Gebrauchtwagen, aber kaum für eine gut ausgestattete Mittelklasse.

Die Idee der Marke Edsel war geboren. Der Auftrag war: Die Autos müssen anders aussehen. Und man ist beinhart gescheitert. Die Wägen waren so eigenartig gezeichnet, dass sie bei den Menschen so gar nicht gut ankamen. Nach nur 3 Jahren Produktionszeit verschwand die Marke genauso schnell wie sie erschienen ist.

Einerseits die Ölkrise, andererseits die Finanzkrise brachte die Fahrzeugindustrie ins Stocken. Und schlagartig wurde klar, was alle vergessen hatten: Kleinwagen. Die lagen nicht mal eben in der Schublade und konnten tags darauf ausgeliefert werden.

Einzig Ford konnte auf die europäischen "Kleinwagen" zurückgreifen. Chevrolet kooperierte mit Suzuki und brachte in leicht abgeänderter Form den Swift.

Dodge wiederum artbeitete mit Mitsubishi zusammen und vertrieb den Colt. Das Ganze war in etwa so amerikanisch wie Sushi.

Eine neu gegründete Marke namens AMC baute mit dem Pacer einen eigenen Kleinwagen. Das Auto, das aus der Trash-Komödie "Waynes World" bekannt war, wurde zu einem der hässlichsten Autos aller Zeiten gewählt.

Die 90er gestalteten sich wieder schwierig. Die Hersteller hatten allesamt Probleme, ihre Autos abzusetzen. Die Kundschaft war oftmals hoch verschuldet, die Kreditblase die über Jahre aufgebaut worden war, drohte zu platzen.

Chrysler suchte sein Heil in einer Fusion mit Daimler-Benz. Die Deutschen propagierten dies als "Merger of Equals" ( Zusammenschluss von Gleichberechtigten) was sich aber nie wirklich zeigte. Es hieß, die Daimler-Manager sahen sich immer über den Chrysler-Leuten.

Dodge zeigte einmal mehr auf und stellten den Supersportwagen im Zeichen der Giftschlange vor. Die Viper mit dem 8 Liter großen V10-Motor war eine Neuinterpretation der amerikanischen Mucle-Cars und wurde in vier Generationen bis 2010 gebaut.

Cadillac verfolgte ein anderes Konzept, dass sich immer größerer Beliebtheit erfreut: Den SUV. 1998 brachten sie den Escalade auf den Markt. Kaum ein SUV ist beliebter bei den Rappern, da es wohl das Protzigste von allen ist.

Und denkt bei SUV bitte nicht an Europa. In Amerika wird ein X5 als untere Mittelklasse angesehen.

Weitere Jahre vergingen, die Stückzahlen gingen nochmals hoch. Aber nicht ohne Kosten. Die Gier des Finanzmarktes kannte kaum Grenzen. Es wurden Kredite vergeben, ohne irgendwelche Sicherheiten, teilweise sogar an Gefängnisinsassen. Dies musste irgendwann schief gehen.

Und wenn die Leute keine Kredite mehr bekommen, dann kaufen sie auch nicht. Und wenn sie nicht kaufen, dann stehen die Konzerne vor einem riesigen Problem. Und genau das passierte. General Motors meldete 2007 erstmals Zahlungsschwierigkeiten, um sich 2008 dann gerade so mit Staatshilfen über Wasser zu halten.

Daimler trennte sich von Chrysler, wohlwissend das die Amerikaner alleine nicht überleben konnten. Und so kam es auch: 2008 konnte auch der Chrysler-Konzern nur mittels staatlicher Hilfen überleben.

Ein Jahr später kam aber der große Coup: Fiat kaufte sich für einen lächerlichen Betrag ein, bekam Chrysler beinahe geschenkt. Doch die Aufgabe war eine Große, musste man den Konzern wieder auf die Gewinnstraße zurück führen. Jahrhundertmanager Sergio Marchionne gelang das Kunststück. Heute ist aus zwei sterbenskranken ein rundum gesunder Patient geworden.

- th -

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