· 

Cars & Nations: Deutschland


Liebe Leser, wir wollen 2019 mit einer neuen Serie starten und uns dabei nach und nach in alle Länder, die Fahrzeuge produzieren oder produziert haben begeben. Wir wollen schauen, was es mit der jeweiligen Ingenieurskunst auf sich hat. Wo wurden die besten, wo die schönsten, wo die innovativsten oder wo die extravagantesten Fahrzeuge entwickelt und gebaut?

Und wo ließe sich eine solche Serie besser starten, als im Mutterland des Automobils. Das Land, aus dem das erste Auto kam. Das so abhängig von der Automobil-Industrie ist, dass jeder dritte Arbeitsplatz zumindest indirekt mit dem Auto zu tun hat. Natürlich rede ich von Deutschland. Wobei das nur die halbe Wahrheit ist. Schon 1769 baute ein Franzose einen mit Dampf betriebenen Motorwagen, und somit im eigentlichen Sinne auch das erste "Auto" der Welt. Trotzdem gilt der "Benz Patent-Motorwagen-Nummer 1" als das erste Auto. Und fragen sie in der Welt herum, woher die erste Motorkutsche kommt? Kaum jemand wird ihnen Frankreich antworten!

Wofür steht die deutsche Automobilindustrie? Naja, wenn man sie mit einem Wort beschreiben müsste, es wäre wohl: Gründlichkeit. Doch warum ist das so? Das hat sich über die Jahrzehnte so in den Köpfen festgelegt, zum Beispiel beim VW-Käfer, der den einfachen, aber durchaus wirksamen Werbeslogan hatte: Und er läuft, und läuft, und läuft,.... Doch dazu mehr später.

Kein Wort hab ich bisher über den Kraftstoff verloren. Wurden die ersten selbstfahrenden Wagen noch mit Ligroin betrieben, einem Leichtbenzin, dass in den Apotheken erhältlich war, kam schon 1890 eine Innovation aus Deutschland die heute nicht mehr wegzudenken ist: Der Diesel. Gedacht als Produktionshilfe für kleine Werkstätten, setzte sich die neue Antriebsart schnell im Schiffs- und Güterverkehr durch. Natürlich lag das auch am niedrigeren Kraftstoffverbrauch. In der Gegenwart will kaum jemand das Wort Diesel hören, doch auch dem möchte ich später auf den Grund gehen.

Einige Jahre später, um 1902, kam die nächste Erfindung auf den Markt, die bis heute nahezu unverändert in den Motoren dieser Welt arbeitet. Die Zündkerze wird vom Deutschen Erfinder-Pionier Robert Bosch erfunden. Heute werden 300 Millionen davon jährlich hergestellt. Zu dem Zeitpunkt waren bereits 10.000 mehrspurige Kfz auf den deutschen Straßen unterwegs.

Und dann gab es eine Grenze, die fließend verlief. Es war der Übergang von Fahrzeugen, die nur laufen mussten, zu prestigeträchtigen Statussymbolen. Es gab auf der einen Seite die Luxusschlitten wie die von Mercedes-Benz, die heute noch den Status der luxuriösesten Fahrzeugen genießen. Auf der anderen Seite kamen neuere Marken nach vorne, die versuchten, die Autos günstiger zu produzieren, wie Opel zum Beispiel. Mit dem Laubfrosch gelang es erstmals, nicht mehr nur die (damals eher wenigen) Reichen anzusprechen.

Und dann kam die Wirtschaftskrise. Und mit ihr ein dunkles Kapitel der Geschichte. Die Nationalsozialisten beauftragten 1934 während des Aufstiegs des deutschen Reichs den Konstrukteur Ferdinand Porsche, einen "Volkswagen" zu bauen, also ein Auto, dass sich jeder leisten kann. Vier Jahre später hat das Auto die Serienreife, doch durch den Kriegsbeginn verzögert sich die Produktion um viele Jahre. Nach Kriegsende läuft diese endlich an: Der Käfer ist geboren. Er soll insgesamt 21,5 Millionen mal produziert werden, und bis 2002 das am öftesten gebaute Automobil sein.

Nach dem Krieg herrschte Aufbruchsstimmung. Nach einigen Jahren des Wiederaufbaus entstand eine neue Gruppe von Arbeitern, die Mittelschicht. Und die wollte Autos. So kam die Maschinerie ins rollen. Und mir ihr die Innovationen. Sicherheit war ein großes Thema. So war es oftmals Mercedes-Benz, die als erstes Ihre Neuheiten präsentierten. Zum Beispiel 1952 mit der Knautschzone und 1971 mit der ersten Auslieferung von Airbags im Auto.

Das Jahr darauf war für Volkswagen ein wichtiges. Der Käfer wurde durch eine neuartige Fahrzeug-Gattung ersetzt. Den Golf. Das Konzept war im Prinzip ein umgedrehter Käfer. Motor und Antrieb vorne. Damit waren die Autos besser beherrschbar. Dieses Auto begründete eine neue Klasse: Die Kompakt-, oder umgangssprachlich, die Golf-Klasse. Das gleiche Konzept produzierte ein italienischer Hersteller schon einige Jahre, nur kam es erst mit dem Golf in Schwung. Das bisher meistverkaufte Fahrzeug der Welt. Ewiger Zweiter: Opel mit dem Kadett.

Die 90er Jahre galten als das Jahrzehnt des Kunststoffes und als Anfang vom Ende der einst so prestigeträchtigen Marke Opel. Während sich VW immer noch größter Beliebtheit erfreut, ergeht es Opel ganz schlecht. Der neue Chefeinkäufer war ein Sparmeister. Der Rostschutz war so mies, dass nicht selten schon drei Jahre nach Kauf Kotflügel und Einstiege erneuert werden mussten. Der Ruf lastet heute noch an. Als eine der Innovationen der 90er Jahre kann man sicher die Erfindung der elektronischen Stabilitätskontrolle ansehen. Natürlich gibt es keine Statistik, aber ich bin mir sicher, ESP hat unzählige Unfälle verhindert und sicher auch das eine oder andere Leben gerettet. In dem Jahrzehnt begann auch der Aufstieg von Audi in die Liste der Premiumhersteller. Und mit der ersten Alu-Karosserie zeigte man gleich auf. Man kann von Volkswagen halten was man will, vom Geschäft verstehen sie was. Nachdem Audi übernommen wurde, haben sie die Marke gezielt höher positioniert. Damals hat wohl keiner recht dran geglaubt, aber der Erfolg gibt ihnen Recht.

Und genauso ging es im nächsten Jahrtausend weiter. Mit der endgültigen Übernahme von Skoda und der Neuausrichtung von Seat kam eine neue Art der Fahrzeugproduktion: Der Baukasten. Damit war es möglich, noch mehr Gleichteile als bisher zu verwenden und trotzdem viele nach außen hin verschiedene Fahrzeuge zu bauen. Das ist zwar nicht komplett neu, aber der Umfang, wie er hier betrieben wird, schon. Das wird klar, wenn man sich die Autos ansieht: Da ist ein Golf. Etwas länger und günstiger wird daraus ein Skoda Octavia. Etwas sportlicher ein Seat Leon und etwas gehobener der neue Audi A3. Kein Großserienhersteller kommt heute ohne Gleichteilstrategie aus. Weitere Meilenstein der deutschen Ingenieurskunst kam vom Leuchtmittelzulieferer Hella. Dieser stellte 2005 in einem Konzeptfahrzeug den ersten Voll-LED-Hauptscheinwerfer vor. Auch diese Technologie wird heute inzwischen stark eingesetzt und wurde mit der Matrix-LED-Scheinwerfer, die einzelne Bereiche ausblenden können, weiterentwickelt.

Das war es erstmal von mir mit den deutschen Erfindungen. Klar, es kam noch viel mehr, wie automatisches Einparken, Seitenwindassistent, Querverkehrswarner etc. pp... Aber das sind für mich keine richtigen Innovationen, sondern Gimmicks, die dem Kunden einen Kaufanreiz geben sollen. Fällt euch noch was ein, hab ich was wichtiges vergessen? Schreibt es in die Kommentare. Ich freu mich auf euer Feedback!

 

- th -

Kommentar schreiben

Kommentare: 0