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Die Hölle von Le Mans

Ein 24h-Rennen, inklusive Fahrerwechsel und Livetiming, auf der PS4. Und dabei sitzt jeder Fahrer vor seiner heimischen Konsole. Bisher war das undenkbar. Nun hat die Organisation von Gavra Racing dies ermöglicht. Mit vollem Erfolg!!!

Was das Team um hio_91 da auf die Beine gestellt hat, war bemerkenswert. Und vorab hier schon einmal der Dank den ich im Namen des ganzen Teams ESR dafür aussprechen möchte.

 

Zum Rennen:

was sich hier an Spannung und Dramatik entwickelte, hätte sich kein Hollywood-Horror-Drehbuchautor besser ausdenken können. Doch der Reihe nach.

 

Mit einer gehörigen Portion Nervosität gingen alle Teilnehmer an den Start. Denn für alle war es komplettes Neuland, auf diese Art und Weise ein Rennen zu bestreiten.

In der Startphase gab es ein paar kleine Ecken und Kanten, und auch technisch funktionierte noch nicht alles einwandfrei. Doch dies war schnell behoben. Pünktlich um 15:00 Uhr MEZ wurde das Rennen gestartet.

 

Unser Team ging mit einer Corvette in der GTE-Klasse an den Start. Den ersten Stint für unser Team fuhr Tobias Schmid. Er fuhr eine saubere Pace und konnte nach zwei Stunden mit einem Vorsprung an Thomas Steiniger das Steuer übergeben. Der Vorsprung konnte ausgebaut werden und Marcel Jensen beruhigt im Cockpit Platz nehmen. Die LMP zogen derweil ihre Runden, wobei das Team Ferrari B eine mörderische Pace auf den Asphalt brannte. Schnell fiel die 3:17er Marke.

Marcel konnte mit einer soliden Fahrt den Vorsprung für unser Team verwalten. Uwe war der letzte Fahrer für seinen ersten Stint. Bis auf einen kleinen Ausrutscher war auch dieser Stint solide. Noch immer P1 für unser Team.

 

Nun ging es langsam in die Nacht. Ouverture für ein sich entwickelndes Drama.

Tobias, Thomas und Marcel hatten jeder zwar ein paar kleine Patzer, doch durchaus nicht weltbewegendes. Um 5:00 Uhr in der Frühe übernahm wieder Uwe das Steuer. Bei der Ausfahrt aus der Box kam der Disconnect. Schon mal sehr ärgerlich. Ok, bei der Art des Rennens nicht das große Problem: rejoinen in die Lobby und weiter konnte es gehen.

Rundenlang war Uwe in einen direkten Zweikampf mit dem ärgsten Konkurrenten verwickelt: dem Team Beauty&Beasts. Thunderhead_74 hiess der Gegner. Dauernd wechselten die Positionen. In der Folge konnte sich Uwe einen kleinen Vorsprung erfahren. Zu dieser Zeit war unser Team noch in der Annahme, in Führung zu liegen. Nicht wissend, dass das Livetiming zu dieser Zeit noch Rundenrückstände für einige Teams aufwies. U.a. auch für das Team B&B.

 

Dann schlug wieder der Bug-Teufel zu. Bei voller Fahrt auf der Geraden, Tempo 290, erschien wohl eine Mauer aus dem Nichts. 80% Frontschaden, 60% Schaden an der Aufhängung. Es dauerte geschlagene 4 Minuten bis sich Uwe zur Box geschleppt hatte. Dort noch einmal 5 Minuten Reparatur. In diesem Moment entschied sich die Rennleitung, die Länge der Stints zu ändern. Tobias übernahm das Steuer. Als er wieder auf der Strecke war, betrug unser Rückstand auf Team B&B mehr als 7 Minuten. Inzwischen arbeitete das Livetiming wieder korrekt. Was nun folgte, kann man nur als episch bezeichnen.

 

Tobias fuhr seinen Stint wie entfesselt. Im Zeitraum von 1 Stunden und 50 Minuten verkürzte er unseren Rückstand auf unter 2 Minuten. Im gegnerischen Auto saß mit TSUKI_b_spec eine junge japanische Fahrerin.

 

Thomas übernahm. Sein Gegner im B&B-Team hieß jackopo_. Ein sehr schneller Fahrer im gegnerischen Team. Auch Thomas war mit einer extrem schnellen Pace unterwegs. jackopo_ konnte das leider locker kontern.

 

Der Rennleitung war nun klar: wir können nur noch Thomas und Tobias in den Kampf werfen. Uwe und Marcel hatten einfach nicht die erforderliche Geschwindigkeit.

 

Viel tat sich am Abstand nicht mehr. Da fiel der Entschluß Thomas bis auf den letzten Tropfen Benzin draußen zu lassen, da klar war, dass das Team B&B auf seinem letzten Stint oldrome einsetzen würde. Der mit Abstand schnellste Fahrer in deren Team.

 

1:27 min war der Rückstand als Tobias seinen Wagen aus der Boxengasse pilotierte. Und von der ersten Runde legte Tobias ein Wahnsinnstempo an den Tag. oldrome spürte den Druck - und machte Fehler. 70 min vor Ende des Rennens kam der Einschlag und oldrome musste die Box ansteuern. Er ließ nur den Wagen reparieren, tankte aber nicht und wechselte auch nicht die Reifen.

MIt 11 sec Vorsprung auf Tobias kam er zurück auf die Strecke. Doch wieder wackelte er er, hatte viele Verbremser. Der Druck den Tobias aufbaute war aber auch enorm. 1 Runde später war es soweit. Tobias übernahm die Führung und konnte sie schnell ausbauen.

10 min noch, 3 Runden. Tobias hat 18 sec Vorsprung und erlaubt sich ebenfalls nach einem Dreher einen Einschlag. In die Box ist jetzt keine Option mehr. Jetzt heisst es nur noch durchkommen. 6 sec pro Runde ist oldrome schneller. Das gesamte Team von ESR kann es kaum fassen: der sicher geglaubte Sieg ist noch einmal in Gefahr.

Völlig unglaublich - der absolute Wahnsinn - und überhaupt nichts für schwache Nerven.

Nach 24 Stunden, fast 400 gefahrenen Runden, rettet Tobias den Sieg für unser Team mit einem Vorsprung von 2 sec ins Ziel.

 

Jetzt, wo ich dies schreibe, geht mir immer noch ein Schauer über den Rücken. Wir haben es geschafft. Die Teilnahme mit unserem neuen Club am ersten wichtigen Event endet mit einem Sieg. Wir sind alle nur noch glücklich - und müde. Obwohl das Adrenalin noch voll pumpt.

In diesem Sinne: allen einen schönen Sonntag noch. Ich gehe schlafen :-)

 

- ue -

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