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Motorsport kurios ...


Wir alle kennen und lieben sie: die Formel 1-Weltmeisterschaft. Wie wir sie in der heutigen Form erleben, war sie nicht immer. Klar, natürlich haben sich die Wagen technisch massiv verändert, die Rennstrecken sind moderner geworden - aber davon wollen wir jetzt gerade mal nicht reden.

In ihrer Frühzeit und sogar bis in den Beginn der 80er-Jahre gab es Formel-1-Rennen ohne Weltmeisterschaftsstatus.

 

Ein kurzer Rückblick: Das Licht der Welt erblickte die Formel 1 im Jahr 1950. Es gab neben wenigen Werkteams sehr viele private Fahrer, die Equipement sowie das gesamte Umfeld wie Mechaniker etc. privat finanzieren mussten. Das führte z.B. im zweiten Jahr der Formel 1 dazu, dass mangels Interessenten und auch mangels finanzieller Möglichkeiten, die komplette Formel 1-Saison mit Formel 2-Autos gefahren und gewertet wurde. Das war doch erheblich preiswerter.

 

Dennoch gab es im Grand-Prix-Sport relativ wenige Hauptereignisse: die sogenannten Grandes Épreuves.

 

Mit Beginn der Weltmeisterschaft 1950 etablierten sich neben den Grandes Épreuves zahlreiche Veranstaltungen, die zwar dem Reglement der F1 folgten, aber in ihrer Wertung nicht zur Formel-1-Weltmeisterschaft zählten.

Auch hier gab es durchaus traditionsreiche Großveranstaltungen, wie z.B. dem Gran Premio di Tripoli, deren Bedeutung denen der Grandes Épreuves kaum nachstanden.

 

Für die Teams waren diese Veranstaltungen willkommene Gelegenheiten, neue Teile oder Fahrer auszuprobieren. Und nicht zuletzt wurde hier die Möglichkeit geboten, die Kasse erheblich aufzubessern. Denn zum Teil lockten diese Rennen mit erklecklichen Start- und Siegprämien.

Es gab auch Bestrebungen, nationale oder gar regionale F1-Meisterschaften aufzubauen, vornehmlich in der Provinz. In dieser Zeit erfolgte noch keine mediale Berichterstattung wie wir es heute gewohnt sind. Und auch in strukturschwachen Gebieten, sollte den Fans der Automobilsport nahegebracht werden. Im britischen Cornwall oder im französischen Département Haute-Garonne wurden zu diesem Zweck dort F1-Rennen durchgeführt.

In Großbritannien und in Südafrika wurden tatsächlich auch nationale F1-Meisterschaften eingeführt.

Die südafrikanische Meisterschaft, die von 1960 bis 1975 regelmäßig gefahren wurde, orientierte sich in ihrem Regelwerk an der internationalen F1. Die 10 Meisterschaftsläufe pro Saison wurden auf Strecken in Südafrika, Rhodesien, Südrhodesien und Mosambik durchgeführt.

In Großbritannien wurde die Aurora-AFX Formel-1-Serie etabliert. Dort traten hauptsächlich Fahrer an, die noch kein Cockpit in einem Weltmeisterschaftsteam ergattern konnten. Bestand hatte die Serie von 1978 bis 1982.

Auch in Deutschland gab es einige, wenige, Läufe der Formel 1 ohne Weltmeisterschaftsstatus. So z.B. der Große Preis der Solitude in Stuttgart, der viermal ausgetragen wurde. Sonst blieb es bei einzelnen Rennen auf der Berliner AVUS oder dem Hockenheimring.

 

Mitte der 70er-Jahre kam es langsam zum Niedergang der WM-unabhängigen Rennen. Zunehmend kamen immer mehr Automobil- oder Motorenhersteller in die Formel 1. Dazu flossen Sponsorengelder immer reichlicher. Und auch die einsetzende Vermarktung der Fernsehrechte sorgte für frisches Geld. Die Teams setzten jetzt vermehrt auf mehrtägige Testfahrten vor und während der Saison. Dies machte die Rennen ohne Weltmeisterschaftsstatus überflüssig.

Das letzte Formel-1-Rennen ohne Weltmeisterschaftsstatus fand 1983 in Brands Hatch statt.

 

- ue -

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Th (Donnerstag, 23 August 2018 09:57)

    Sehr schöner Bericht !