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Setup-Guide #1


Wie bereits angekündigt starten wir heute in unsere kleine Hilfe rund um die Einstellungen eines Fahrzeugs. Es ist essentiell zu wissen mit welchen Eingriffen man seinen Wagen schneller und stabiler macht. Im ersten Teil sehen wir uns die Reifen und die Bremsen an.

 

Wer mit den Begriffen "Übersteuern" und "Untersteuern" nichts anfangen kann, der wird auch kein Setup zusammenbringen. Was steckt also hinter diesen Begriffen?

Walter Röhrl, der legendäre Rallyfahrer, hat es einmal sehr gut formuliert: "Übersteuern ist, wenn der Beifahrer Angst hat. Untersteuern, wenn ich Angst habe".

Zur Verdeutlichung: Mit Untersteuern ist das Schieben über die Lenkachse gemeint. Man hat das Gefühl, der Wagen lenkt einfach nicht richtig ein. So wie das eben passiert, wenn ich eine Kurve zu schnell nehmen will und die Reifen die Haftung verlieren.

Beim Übersteuern macht sich das Heck des Fahrzeug selbtständig und bricht aus. Hier kann es mehrere Gründe geben. Wie z.B. zu kräftiges Einlenken oder bei zu viel Gas in der Kurvendurchfahrt.

Die Physik kann zwar nicht außer Kraft gesetzt werden, aber durch geschickte Einstellungen können zumindest die physikalischen Grenzwerte etwas zu unseren Gunsten verschoben werden. Doch wo setze ich bei den vielfältigen Einstellmöglichkeiten am Auto an?

 

#1 Reifendruck und Reifenwahl

Der Reifendruck ist ein probates Mittel direkt in die Balance des Wagens einzugreifen. Verringert man den Druck in den vorderen Reifen und erhöht ihn in den hinteren, so wirkt das gegen das Untersteuern des Fahrzeugs. In der umgekehrten Vorgehensweise kann ich natürlich auch gegen das Übersteuern vorgehen. Dieses Vorgehen alleine hilft natürlich wenig, da ein veränderter Druck auch die Reifentemperaturen stark beeinflussen. Ich persönlich bin kein großer Fan dieses Vorgehens. Es gibt andere, bessere Möglichkeiten zur Einstellung. Man sollte den Reifendruck so wählen, dass sich die Pneus immer im optimalen Temperaturfenster befinden. Da wird die Wahl der richtigen Mischung zum entscheidenden Faktor. Viele Fahrer, gerade wenn sie noch etwas unerfahren im Racing sind, neigen dazu, immer die weiche Mischung zu wählen. In der Annahme, damit den perfekten Grip zu haben. Doch es ist ungemein wichtig, die Strecken- und Außentemperatur im Blick zu haben. Als kleine Faustregel kann gelten: sind die Streckentemperaturen unter 30 Grad, ist der weiche Reifen eine gute Wahl. Gehen die Streckentemperaturen jedoch in den höheren Bereich, sollte man auf die härtere Mischung wechseln. Fährt man jenseits der 30 Grad mit weichen Slicks, bauen diese innerhalb weniger Runden soviel Temperatur auf, dass sie überhitzen und anfangen zu "schmieren". Harte Reifen dagegen vertragen höhere Temperaturen und haben eine durchweg höhere Arbeitstemperatur, bei der sie den optimalen Grip liefern.

#2 Bremsen

Es gibt 3 Dinge, die bei den Einstellungen der Bremse wichtig sind.

Zuerst natürlich der Bremsdruck. Also wie stark wird die Bremse aktiviert, wenn das Pedal getreten wird. Der Wert wird in Prozent angegeben und kann nicht pauschal empfohlen werden. Hier ist entscheidend, dass jeder Fahrer seinen eigenen Stil und Präferenzen hat. Ich fahre meistens, je nach Fahrzeug, mit einem Bremsdruck zwischen 85% und 95% da ich schnell und fest auf die Bremse steige. Das kann von Fahrer zu Fahrer variieren und ist eine Frage des Ausprobierens. Gerade bei Fahrzeugen die nicht mit ABS ausgestattet sind, ist der Wert des Bremsdrucks extrem wichtig. Denn wir wollen ja nicht, dass der Wagen bei der kleinsten Betätigung des Bremspedals unkontrollierbar wird, weil die Räder blockieren.

 

Fast noch wichtiger ist die Einstellung der optimalen Bremsbalance. Hier wird festgelegt, in welchem Verhältnis die Bremswirkung auf die vorderen bzw. hinteren Räder verteilt wird.

Neigt das Fahrzeug beim Anbremsen zum Übersteuern, hilft es oft schon die Bremsbalance ein paar Prozentpunkte nach vorne zu verlegen. Und schon fühlt es sich stabiler an. Auch hier gilt: das muss jeder für sich ermitteln, da die Werte bei unterschiedlichen Fahrstilen verschieden sein können.

 

Der letzte Punkt, den es zu beachten gilt, ist die Temperatur der Bremsen. Auf diese können wir über die Kühlschächte Einfluss nehmen. Es ist wichtig, dass die Bremsen sich im optimalen Temperaturfenster bewegen. Im Normalfall sind das 400 Grad bis 600 Grad. Bei diesen Temperaturen erzielen wir die optimale Bremswirkung. Sowohl zu kalt als auch zu heiß beeinträchtigen die Bremswirkung erheblich. Hier gilt es also, die Öffnung der Kühlschächte auf den richtigen Wert zu bringen.

 

Fassen wir zusammen:

  • Den Reifendruck so wählen, das eine optimale Betriebstemperatur erreicht wird.
  • Bei der Reifenwahl die Umgebungstemperatur und Streckentemperatur beobachten.
    Streckentemperatur < 30 Grad: weiche Mischung
    Streckentemperatur > 30 Grad: harte Mischung
  • Die Kühlung der Bremsen so einstellen, das ein 400-600 Grad-Fenster erreicht wird.

Und bitte immer im Hinterkopf behalten, dass die o.g. Zahlen nur Näherungswerte sind und nicht als letzte Weisheit zu verstehen sind.

 

- th -

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